Stricken und Klicken: Mit “Handmade-Kultur” hat sich ein crossmediales DIY-Magazin etabliert

Handarbeitsliebe und Technikaffinität – klingt wie ein Gegensatz, ist aber keiner. Jedenfalls dann nicht, wenn es um die DIY-Szene geht. Do it yourself-Begeisterte lieben das Internet. Wie sehr – das zeigt zum Beispiel der Gegensatz von monatlichen Klicks und der Printauflagen-Größe von “Handmade Kultur”: Das Online-Portal (www.handmadekultur.de) verzeichnet jeden Monat Besuche in Millionenhöhe. Dagegen sind die immerhin 33.000 Printexemplare pro Ausgabe (Zahl von 2/2014) unspektakulär (Zahlenquelle: hier). Auch ich kannte natürlich das Portal (mein Blog ist auch dort gelistet), hatte aber noch nie ein Heft in der Hand. “Zeit, das zu ändern”, dachte ich und bestellte mir ein Rezensionsexemplar für Blogger_innen.

Liegt gut in der Hand

 “Wow!” war mein erster Gedanke als ich das Heft aus dem Umschlag zog. Normalerweise verursacht mir Zeitschriftenpapier immer ein unangenehmes Gefühl an den Fingern. Nicht so die “Handmade Kultur”. Das Material fühlt sich angenehm glatt und hochwertig an. Die Zeitschrift liegt gut in der Hand und lässt sich leicht blättern – ohne aneinanderhaftende Seiten.

Wo bin ich hier gelandet?

 Das Cover-Design jedoch irritierte mich auf den ersten Blick. Dies ist eine Zeitschrift über DIY, aber die Titelseite wird vollkommen vom Gesicht eines Models dominiert. Vom Bild her könnte es sich erstmal auch um ein Mode- oder Beauty-Medium handeln. Doch immerhin hält die junge Frau den nach einer Anleitung im Heft gefertigten Muff in der Hand. Moment mal! Muff? Im Frühling? Nein, natürlich nicht. Es handelt sich leider – was mir aber vorher bekannt war – um das Heft aus dem vergangenen Winter, nicht um die aktuelle Ausgabe.

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 Ahhh, alles klar!

 Das Inhaltsverzeichnis lässt dann allerdings keine Zweifel mehr aufkommen, worum es geht. Es startet direkt mit der Rubrik “DIY”, die ungefähr zwei Drittel des Heftes umfasst. Hier gibt es jede Menge Ideen und Anregungen, meist mit präzisen Anleitungen. Schnittmuster werden entweder mitgeliefert oder können heruntergeladen werden.

Inspirationen gerne – Nachmachen? Nein danke!

 Mir gefallen hierbei eher die Sachen, die einfach sind und sich gut verändern lassen. Grundsätzlich finde ich die Idee der Kette aus Büroklammern (S. 31) fancy, würde sie aber nicht eins zu eins so nachbasteln, sondern auf eine eigene Version setzen. Allerdings gefällt mir auch das Kleid auf den Seiten 16 bis 18 – und hier ist ein Schnittmuster natürlich schon hilfreich. Trotzdem: Ich nutze Anleitungen in der Regel eher als Anregungen und habe keine Lust, einfach etwas nachzumachen. Aber als Technik-Hilfen und Inspiration sind die Beschreibungen bereichernd – ich denke, dass die Handmade-Kultur-Redakteurinnen auch gegen eine solche Nutzung nichts einzuwenden haben. Die Anleitungen sind extrem breit gefächert: Ob stricken, häkeln, filzen, nähen, basteln, bauen… – hier ist für beinahe jeden Interessenschwerpunkt etwas dabei.

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Spaß beim Blättern

Mal ganz vom praktischen Nutzen der Beiträge abgesehen macht es einfach Spaß, durch das Magazin zu blättern. Es gibt viele schöne Fotos und auch die abgebildeten Personen sind nicht mehr “nur” Modells. Übrigens: Den auf dem Titel gezeigten Muff finde ich klasse – ich habe nämlich vor Kurzen auch einen genäht (anjamacht.wordpress.com/meine-strategie-gegen-kalte-hande). Hätte ich zu diesem Zeitpunkt die “Handmade-Kultur”-Beschreibung schon zur Hand gehabt, hätte mir das die Sache vielleicht einfacher gemacht.

Mehr als „reines“ DIY

Neben dem großräumigen Anleitungsteil bietet die “Handmade-Kultur” einiges mehr: Die Redaktion schaut zum Beispiel über den Zaun des reinen DIY hinüber zum professionellen (Kunst-)Handwerk des Fliesenbrennens. Mit einem unterhaltsamen Artikel liefert sie interessantes Wissen über diese Tätigkeit. Auch eine Reportage über die Arbeiten eines Künstlerpaares und ein Artikel über die Prager DIY-Szene ergänzen (unter anderem) die vielen Umsetzungs-Anregungen. Abgerundet wird das Ganze von Produkt- und Buch-Tipps, dem Hinweis auf Studien-Möglichkeiten im Kreativbereich, von einer Termin-Übersicht sowie App- und Blog-Empfehlungen.

Handarbeit – raus aus der Mottenkiste!

 Das Thema “Bloggen” taucht aber nicht nur durch die Vorstellung von beliebten Blogs aus der “Handmade”-Online-Community im Heft auf. “Bloggen” ist hier ein Querschnittsthema, das dass gesamte Magazin prägt: Erstens deshalb, weil die vorgestellten Blogs von Bloggerinnen – und nicht etwa von Redakteur_innen – ausgewählt werden. Doch der zweite Grund ist noch viel wichtiger: Zahlreiche DIY-Ideen im Heft stammen von Blogger_innen. Ins Magazin gelangen sie durch ihren Beliebtheitsgrad im Netz. Auf diese Weise verschwimmen die Grenzen zwischen Print und Online, zwischen Leserschaft und Redaktion (zu den Angaben in diesem Absatz vgl. hier). Fazit: In “Handmade-Kultur” werden traditionsreiche handwerkliche und gestalterische Techniken in einer hochaktuellen Form präsentiert. Ein spannender Gegensatz, der dazu beiträgt Handarbeit vom Ruf der Spießigkeit zu befreien!

Die „Handmade-Kultur“ erscheint vier Mal pro Jahr im Handmade Kultur Verlag. Preis pro Ausgabe: 6,90 Euro. Zu dem Rezensions-Angebot für Blogger_innen geht es hier: www.handmadekultur.de/stelle-handmade-kultur-in-deinem-blog-vor

Ich möchte in Anknüpfung an meine Profil-Text noch darauf hinweisen, dass die taz in der „Handmade Kultur“ Werbung schaltet. In dem gerade verlinkten Beitrag habe ich die Ansicht einer „Zeit“-Autorin kritisiert, die offensichtlich denkt, DIY-Begeisterte würden lektüremäßig über Bastelanleitungen nicht hinauskommen.

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2 Gedanken zu “Stricken und Klicken: Mit “Handmade-Kultur” hat sich ein crossmediales DIY-Magazin etabliert

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