Blutsgeschwister-Nähbuch im Praxistest

Das Label Blutsgeschwister steht für Mode neben dem Mainstream. Ich würde mir gern noch öfter eines der hübschen und phantasievollen Teile zulegen, aber leider reißen die verspielten Shirts, Kleider und Röcke mit zauberhaftem Retro-Charme auch immer gleich ein ziemlich tiefes Loch ins Portemonnaie. Umso neugieriger wurde ich, als Karin Ziegler, kreativer Kopf der Marke, dieses Jahr ein Nähbuch inklusive Schnittmuster herausbrachte. Da ich mir vor Kurzem eine Nähmaschine zugelegt hatte, die ich endlich mal einem Praxistest unterziehen wollte, kam mir das Buch gerade recht. So ließ ich zumindest dieses eine Mal sämtliche Kleidungsstücke im Blutsgeschwister-Store liegen und ging stattdessen mit Zieglers Werk nach Hause.

Mein Kauf:

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„Nähen macht glücklich“ ist der Titel des Buches. Es ist im Dorling Kindersley Verlag erschienen. Auf rund 140 Seiten werden einige Grundbegriffe des Nähens erklärt und 25 Anleitungen für Hosen, Accessoires, Röcke, Kleider und Home Decoration geliefert – inklusive Schnittmuster, die am Ende des Buches als Bögen zum Durchpausen beigelegt sind. Das ist wirklich ziemlich viel Leistung für den kleinen Preis von nur 19,95 Euro. Wem bekannt ist, was Schnittmuster kosten, weiß, dass es wirklich nicht viel Geld ist. Zudem ist das Buch hübsch aufgemacht – ansprechende Fotos und Farben – und liegt gut in der Hand. Definitiv macht das Blutsgeschwister-Buch Lust auf’s Selber-Schneidern.

Vielversprechender Inhalt – schnuckeliges Design:

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Ich jedenfalls konnte es kaum erwarten, loszulegen. Dazu muss ich sagen: Ich bin völlige Anfängerin, was das Nähen mit der Maschine angeht und kann gerade mal einfädeln und auf’s Pedal treten. Mit den Schnitten im Blutsgeschwister-Nähbuch hatte ich mir damit – ohne mir darüber zunächst im Klaren zu sein – einen ziemlichen Klotz aufgeladen. Denn, und das habe ich eben erst nach dem Kauf des Buches bemerkt, die Modelle gibt es nur in zwei Größen: S/M und L/XL. Die kleineren und zierlicheren Ladys sind dabei klar im Nachteil. Zwar zeigt Designerin und Buchautorin Karin Ziegler, wie sich Schnitte verkleinern lassen, aber das ist nicht immer so ohne weiteres möglich. Verschmälert man ein Oberteil nach ihren Angaben, wird auch der Halsausschnitt immer enger und und und.

Also: Ich habe mir schließlich ein Herz gefasst und einfach so Pi mal Daumen drauflos genäht. Ich habe während des Nähprozesses an den Seiten des Oberteils noch richtig viel Weite weggenommen und die Ärmel mit dem Mut der Verzweiflung irgendwie passend gemacht. Struktur, Methode, Plan – was war das nochmal? Keine Ahnung! Nur mit dem Motto „Geht nicht gibt’s nicht“ habe ich mein Sweatshirt-Kleid irgendwie zusammenfrickeln können.

So sieht es im Buch aus:

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Und so bei mir:

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Verklausulierte Formulierungen (zumindest für Näh-Anfänger nicht immer nachvollziehbar – und so wie ich es verstanden habe, richtet sich das Buch auch an diese Spezies) in der Anleitung haben immer wieder zu verzweifelten Anrufen bei meiner Mutter (Näh-Expertin)geführt. Die zum Teil sehr schlecht erkennbaren Illustrationen haben mir nämlich auch nicht weitergeholfen. Trotzdem hat zum Schluss alles irgendwie ineinandergepasst. Ich bin heute noch stolz wie Bolle auf mein erstes selbst genähtes Teil. Stoffreste behielt ich sehr viele. Die Angaben zum benötigten Material waren absolut überkalkuliert.

Der Erfolg machte mir trotz aller Schwierigkeiten Lust auf mehr. Darum habe ich mich schon bald danach an den Tellerrock gewagt. Den passenden Stoff hatte ich noch im Schrank – eine gute Gelegenheit, ihn endlich mal zu verwursten.

Tellerrock made by Blutsgeschwister:

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Dieses Mal war es noch chaotischer: Die Stoffangabe war zu knapp bemessen und ich musste den Unterrock etwas zu kurz zuschneiden. Aber das war noch nicht so schlimm. Wirklich anstrengend fand ich dieses Mal die Verkleinerung des Modells:  Da ich das Bündchen des Rockes enger gemacht habe, ohne deshalb aber den Tellerschnitt anzupassen (keine Ahnung, wie viel ich hätte wegschneiden sollen) musste ich viel zu viel Stoff auf viel zu wenig Bündchen zwingen. Das war extrem fummelig und ich habe mehrfach wieder etwas auftrennen müssen. Als ich dann endlich fertig war, habe ich gemerkt, dass mein Stoff Flecken hatte. Über die Flecken habe ich kurzerhand Blütenapplikationen genäht – was blieb mir sonst übrig, die Verschmutzungen widersetzten sich hartnäckig meinen Säuberungsversuchen.

Tellerrock made by me:

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Als ich dann fertig war , habe ich mich doch gefreut. Ich werde sicher noch mehr Teile aus dem Blutsgeschwister-Buch nachnähen, aber aufgrund der beschränkten Schnittgrößen, der unpräzisen Angaben zur Stoffmenge und der – jedenfalls für Anfänger – oft eher schwierig zu durchschauenden Anleitungen empfehle ich den Kauf nur bedingt. Es ist ein schönes Buch, aber ob der Titel „Nähen macht glücklich“ hält, was er verspricht, ist fraglich. Zumindest dann, wenn man weder S/M noch L/XL trägt und in die Kunst des Schneiderhandwerks noch nicht so richtig eingeweiht ist.

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15 Gedanken zu “Blutsgeschwister-Nähbuch im Praxistest

  1. Also ganz ehrlich…Du kannst so dermaßen stolz auf dich und deine Leistung sein. Ich bin was das Nähen betrifft genauso eine Anfängerin wie du und würde mich niemals an diese Teile wagen. Ich finde diesen Style einfach nur super super genial und deine genähten Teile sehen noch tausendmal besser aus als die Modelle!!! Ich würde mir das Buch sofort kaufen, aber mich schreckt deine Bewertung ein wenig ab, weil ich niemanden habe, der mir mit Expertentipps weiter helfen kann. Aber es wäre vielleicht ein gutes Weihnachtsgeschenk 😉 Also ich habe wirklich größten Respekt vor deiner Leistung, du kannst wirklich wirklich stolz darauf sein, was du geschaffen hast. Tausend Sterne für dich!!! Gib nicht auf, du hast ein Wunderwerk vollzogen! Allerliebste, neidische Grüße 😉 Christina

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Christina,
      das ist der tollste Kommentar, den ich ever, ever bekommen habe 🙂
      Vielen Dank für Dein Lob!
      Tatsächlich ist es so, dass es mir ohne Rücksprache mit meiner Mutter zum Teil extrem schwer gefallen ist, die Anleitungen im Buch zu verstehen. Ich habe jetzt leider keine Nähbuch-Empfehlung in petto, aber auf Amazon habe ich das eine oder andere gesehen, das ich gerne mal ausprobieren würde. Eine Erfahrung, die ich bei meinem Start gemacht habe ist, dass man keine Angst haben darf, etwas auch wieder aufzutrennen und noch einmal zu nähen. Und man darf, wenn es nach Anleitung irgendwie nicht klappen will, keine Angst haben, zu experimentieren. Motto: Hauptsache irgendwie fertig machen! Aller Anfang ist schwer und ich habe ganz schön viel Schweiß vergossen und meine Nerven arg strapaziert. Aber hinterher ist das Feeling schon gut! Ich glaube, wenn man es geschafft hat, irgendwie anzufangen, dann ist das Schlimmste geschafft. Bestimmt trittst Du demnächst auch beherzt ins Pedal. Tausend Sterne auch für Dich!

      Ganz liebe Grüße

      Anja

      Gefällt 2 Personen

    1. Hallo Tan,

      danke für Deinen lieben Kommentar! Ja, wie gesagt: Das Buch ist mit Vorbehalt zu genießen. Ich bleibe bestimmt dran. Wen einmal die Stoffsucht gepackt hat, den lässt sie nicht mehr los!

      Viele Grüße

      Anja

      Gefällt 1 Person

    1. Sehr gut. Berichte doch mal von Deinen Erfahrungen damit! Bis sehr gespannt. Vielleicht zeigst Du etwas daraus Genähtes auf Deinem Blog? Würde mich sehr interessieren.

      Liebe Grüße

      Anja

      Gefällt 1 Person

      1. Liebe Anja, das werde ich sicherlich machen! 🙂 heute aber hab ich den Postboten verpasst 😑😑
        Liebe grüße
        Jessi

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  2. Liebe Anja, ich kann mich den Anderen nur anschließen, der Rock und das Oberteil sind wunderschön.Ich liebäugel auch seit kurzem mit dem Gedanken das Nähen anzufangen, aber ohne Ahnung ist es schwer .Es fängt ja schon bei der Wahl der Nähmaschiene an…….aber dein Kommentar hat mich ermutigt einfach mal ins kalte Wasser zu springen und endlich damit anzufangen.Liebe Grüsse

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    1. Hej Iris,

      danke für deinen Kommentar. Spring einfach ins kalte Wasser, es kann nicht viel schiefgehen! Ich habe mir vor einem Jahr im Lidl-Online-Shop die Nähmaschine Mercury 8280 von Singer für rund 80 Euro bestellt. Sie zickt hin und wieder mal rum, aber im Prinzip macht sie was sie soll. Meistens jedenfalls. Ich wollte am Anfang eben nicht viel Geld ausgeben, aber vermutlich macht das Nähen noch mehr Spaß, wenn die Maschine etwas hochwertiger ist. Hat ein bisschen was von einem Dilemma… Allerdings kann man auch mit einer günstigen Maschine anfangen und die dann später bei Ebay verticken. Dort werden selbst für gebrauchte Günstig-Maschinen recht gute Preise erzielt. Viel Erfolg beim Näh-Start wünscht dir

      Anja

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