Mein Blog und ich

Warum ich begonnen habe zu bloggen IMG_2095Aus

Eine Idee für etwas Selbstgemachtes zu haben und sie umzusetzen ist eine schöne Sache. Das macht Spaß. Wenn ein Ding fertig ist, dann freut man sich. In der Zeit vor den Anfängen der Blogosphäre hörte der kreative Prozess an diesem Punkt auf. Jetzt geht es beim anschließenden Bloggen erst richtig los:

Die Bloggerin (Blogger mögen sich hier bitte mitgenannt fühlen) ist nicht nur Designerin und Produzentin ihrer eigenen Objekte. Sie ist auch Fotografin, Stylistin, Model, Texterin, Bildgestalterin und vielleicht sogar noch Marketing- und PR-Chefin ihres eigenen Online-Unternehmens.

Ich mag es, alles selbst tun zu können und einen Prozess von vorne bis hinten in der Hand zu haben. Ich mag es, meine Ideen und geschaffenen Dinge aus den eigenen vier Wänden heraus ans Licht zu bringen, mich auszutauschen und inspirieren zu lassen. Und ich mag es, kleine Universen aus Worten und Bildern zu schaffen. Jeden, der eintreten möchte, heiße ich herzlich willkommen!

Jetzt ist es  an der Zeit, das Profil zu schärfen

Diese drei Absätze habe ich zu einem Zeitpunkt geschrieben, als ich vielleicht ein oder zwei Posts veröffentlicht hatte. Jetzt habe ich meinen Blog schon ein bisschen weiter entwickelt. Nein, ich bin nicht mit einem fertigen Konzept an den Start gegangen. Mein einziger Wunsch war, meine Ideen nicht im stillen Kämmerlein versauern zu lassen, sondern zu zeigen. Außerdem wollte ich Kontakt zu und Austausch mit anderen DIY-Süchtigen. Inzwischen habe ich mir mehr Gedanken über das inhaltliche Profil meines Blogs gemacht. Dazu hier ein paar Worte:

„Freestyle-Tüfteln“ statt Malen nach Zahlen

Ich steh‘ nicht drauf, irgendwelche mega-komplizierten, bis ins Detail ausgearbeiteten, Anleitungen präzise umzusetzen. Ich habe eher so einen anarchistischen Pi-mal-Daumen-DIY-Ansatz. Einfach mal anfangen! Alles geht! Irgendwie passt’s schon! Ich liebe es, möglichst frei zu gestalten, nur mit dem Nötigsten an Schnittmustern, Schablonen und so weiter. Ich nenn‘ das jetzt mal „Freestyle-Tüfteln“.

Klar: Bestimmte Techniken muss man drauf haben. Stricken und Häkeln zum Beispiel. Oder ’ne Nähmaschine bedienen. Aber ich will nicht einfach etwas Vorgegebenes umsetzen. Orientierungspunkte und Inspirationen sehr, sehr gern, aber darauf baue ich dann frei auf.

DIY-Klamotten statt „Mainstream der Minderheiten“

Klamotten und Accessoires sind auch immer wieder mal Thema auf „Anja macht“. Aber ich will keinen Modeblog. Ich finde, dass sich bei vielen Mode-Blogs so eine ganze bestimmte Ästhetik eingeschlichen hat, eine Art „Blogger-Mainstream“. Dabei fühlen sich die Mehrzahl der Blogger_innen furchtbar individuell, sehen aber aus, wie die meisten ihrer Kolleg_innen auch. Und um möglichst viele „cute“- und „awesome“-Kommentare zu bekommen, muss man auch so daherkommen. Den Stress möchte ich mir nicht antun.

Ein DIY-Blog bietet dagegen auch Platz für Klamotten, die nicht dem derzeitigen „Mainstream der Minderheiten“ entsprechen. In diesem Zusammenhang ist Upcycling ein wichtiges Thema für mich: Aus älteren Kleidungsstücken lassen sich oft witzige Sachen herstellen, die aber nicht aussehen wie von Asos, Urban Outfitters und Co (beide Labels finde ich zwar knorke, aber es gibt eben auch noch andere optische Möglichkeiten).

Nicht jedes Bild ist Deko-tauglich – zum Glück

Ich zeige euch allerdings nicht nur selbstgemachte Dinge mit einem klaren Gebrauchswert. Im Rahmen der Serie „Das digitale Museum“ präsentiere ich euch Stück für Stück die ganze Kollektion meiner selbst gemalten Bilder. Die sind nicht immer Wandschmuck-tauglich (ansonsten dürfte ich ja nur Blümchen oder Ähnliches malen, wie furchtbar). Ich serviere euch meine Werke zwar mit kleinen Geschichtchen und Anregungen garniert, aber ich trau‘ mich auch, mal auf l’art pour l’art zu setzen.

Do-it-yourself als Realitätsflucht?

Mir brennt noch ein Punkt unter den Nägeln, der nicht speziell etwas mit meinem Blog zu tun hat. Ich nenn‘ das jetzt mal „DIY in den Medien“. Am 8. Januar 2015 titelte das Zeitmagazin: „Entschleunigung: Die Welt ist mir zuviel“. Der Grundtenor des mehrseitigen Artikels besagt, dass DIY ein neues Biedermeier einläutet, mit viel Rückzug und Innerlichkeit. Botschaft: Wer strickt, der hat bereits kapituliert vor den Dingen, die da draußen passieren. Da wird ernsthaft beklagt, dass in DIY- oder Handarbeitszeitschriften nicht von den Luftangriffen auf XY die Rede ist. Damit meint die Autorin des Artikels dann offenbar, DIYler als ignorante Egozentriker zu entlarven, deren Verstand und Politik-Interesse gegen Null tendiert. Alles klar…

Für die „Zeit“ reicht der Intellekt von DIYlern nur bis zum nächsten Wollknäuel

Liebe „Zeit“-Autor_innen, die ihr bestimmt alle nach eurem Arbeitstag direkt zum Agitationseinsatz in der Fabrik um die Ecke startet: Glaubt ihr wirklich, nur weil jemand gerne häkelt oder kocht, reicht der Intellekt dieser Menschen nur bis zum nächsten Wollknäuel? Habt ihr schon mal daran gedacht, dass jemand, der sich mittwochs mit der Zeitschrift „Flow“ entspannt, donnerstags genau so gern zur „Zeit“ greifen könnte?

Wer wirklich tough ist, der steht zu seinem Hobby!

Habt ihr schon jemals darüber geschrieben, dass auch in Zeitschriften über andere Hobbys, etwa Segeln oder Wandern, die Weltpolitik kein Thema ist? Nee, oder? Warum findet ihr gerade DIY so doof? Vielleicht, weil ihr eure eigene Machtlosigkeit in Bezug auf’s Weltgeschehen nicht ertragen könnt? Dann lieber einen Seitenhieb auf Personen, die zum Teil ja einen weltverbessernden Anspruch verfolgen (Stichwort „Nachhaltigkeit durch Upcycling“), aber eben auf kleine Schritte setzen. Ich bin gespannt, liebe Zeit-Redakteur_innen, wann euch der ganz große Wurf gelingt!

Außerdem kann ich mir vorstellen, dass sich die Artikel-Autorin selbst als toughe Frau profilieren will, indem sie sich von vermeintlich naiven Häkelmuttis abgrenzt. Da muss dann selbst gar kein echter Beitrag mehr zur Emanzipation geleistet werden. Es reicht schon, sich von anderen zu distanzieren. By the way: Die taz ist beim Thema DIY nicht so narrow-minded.

Fazit

DIY macht die Welt nicht besser, aber auch nicht schlechter. „Anja macht“ ist ein Freestyle-Tüftel-Blog, der Grenzen nicht scheut – weder zur Mode noch zur Kunst. Die Autorin dieses Blogs glaubt nicht, die Welt durch DIY und Upcycling in irgendeiner Weise verändern zu können. Aber durch „Zeit“-Lektüre auch nicht. Nicht-Basteln ist auch keine Lösung!

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29 Gedanken zu “Mein Blog und ich

  1. Danke Anja! Du machst das wunderbar!
    Und ich denke, gerade weil Du die „Flow“ liest, hast Du diesen Text so verfassen können, wie Du ihn verfasst hast 😉

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  2. Lieben Dank fürs Folgen meines Blogs. Hab Deinen auch gleich abonniert. Besonders sympatisch ist mir das mit dem „anarchistischen“ Free-Style-Tüfteln. Beim DIY lasse ich mich auch nicht von Anleitungen „einengen“. Und bezüglich DIY als Realitätsflucht: die Redakteure kennen wohl noch nicht das Buch „Craftista – Handarbeit als Aktivismus“.

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      1. :^) Habe Dich nicht „gesperrt“. Bin etwas ratlos. Blog ist auf öffentlich eingestellt. Melde Dich, wenn Du weiterhin mein Blog nicht zu sehen bekommst. Werde dann mal weiter checken.

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      2. Bei mir wird jetzt immer das hier angezeigt:

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  3. Hallo Anja, danke Dir für das Verfolgen meines DIY-Blogs. Deine Selbstdarstellung und vor allem Deine Stellungnahme in punkto Außensicht auf DIY’er gefallen mir sehr gut. Wir ticken sehr ähnlich in diesen Fragen, glaube ich. Ich freue mich auf Deine Beiträge hier. LG Christina

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    1. Hi Christina,
      ich lasse mich selbst sehr gern durch andere Blogs inspirieren 🙂 Ja, ich finde es schon problematisch, wie das Hobby Handarbeiten gern mal als reaktionär aufgeladen wird. Ich habe es ja schon geschrieben: Ich weiß nicht, was sie von mir erwähnte Zeit-Redakteurin in ihrer Freizeit macht, aber ich zweifle stark daran, dass es die ultimative Weltrevolution ist. Bis dahin bastel ich einfach weiter 😉

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    1. Hallo liebe Christina,

      vielen Dank und sehr gern. Aber das wird noch ein bisschen dauern, denn vor zwei Wochen bin ich bereits von einer anderen Bloggerin nominiert worden. Das muss ich erst mal „abarbeiten“. Wenn es dann mal wieder reinpasst mache ich gern mit!

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