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Henna: Viel Arbeit, aber es lohnt sich

Spart euch die Witze – ich weiß wonach es aussieht. Mein Freund sagt ein Wort mit „K“ dazu, und wenn ich mir das frisch eingestellte Beitragsbild so angucke, formt mein Hirn Gedanken wie „Two girls one spoon“ oder ähnlich. Halt, zurück, alles noch mal auf Los!

In diesem Post soll es nicht um die seltsamen Blüten des virtuellen Daseins gehen, sondern um Haare. Um schöne Haare. Um schöne, rote, glatte und glänzende Haare! Und wer sie nicht von Natur aus hat, kommt um die Wunderpflanze Henna kaum herum.

Ich selbst verschönere seit 22 Jahren meine Haare mit diesem traditionsreichen Färbemittel. Jetzt hat mich eine Kollegin gebeten, ob ich den Vorgang nicht einmal für sie fotografieren könnte. Und schon war die Idee geboren, hierzu einen Blogpost zu schreiben. Eine gute Möglichkeit, allen Interessierten einen etwas intensiveren Einblick ins Thema zu geben – natürlich mit dem ultimativen Praxis-Guide!

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Dunkelrotes Haar: Mein Markenzeichen seit über 20 Jahren!

Henna: Viel mehr als eine Farbe

Vor rund eineinhalb Jahren habe ich hier schon einmal einen Beitrag zu Henna-Tattoos geschrieben, d.h. zur Körperbemalung mit Henna. Wer mehr dazu erfahren möchte, wird u.a. hier fündig. Diese Art der Verzierung des Körpers hat in vielen Ländern, etwa der Türkei, Marokko aber auch Indien, eine lange Tradition. Vielleicht habt ihr eine – zum Beispiel türkische – Freundin, die euch etwas über die Henna-Nacht berichten kann: Ein Ritual, mit dem die Braut ihren Abschied vom Jungesellinnen-Dasein feiert.

Haare färben wie die Hippies

In Deutschland wurde Henna in den 1970er Jahren mit dem Aufkommen der alternativen Bewegung populär. Hier nutzte man gern die Möglichkeit des natürlichen Haarefärbens. Vermutlich spielte auch die Symbolkraft roter Haare – anders sein als die Mehrheit, hier zu verstehen als „die Spießer“, „das Establishment“ – eine Rolle. Diese Idee wirkte nach meinem Eindruck mindestens bis in die Neunziger fort. Auch ich habe mich mit 14 nicht so sehr für rote Haare entschieden, sondern speziell für „Henna-Haare“ – eben in der Tradition der Hippies und der alternativen Szene.

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Bad Kreuznach 1995

Kraft und Glanz aus der Natur

Später spielten andere Aspekte für mich die Hauptrolle. Anders als chemische Farben, die die Haarstruktur potentiell angreifen, legt sich Henna, das aus den Blättern des Hennastrauchs gewonnen wird, wie ein Schutzfilm um das Haar. So wirkt es kräftiger und glänzender und wird zugleich gegen Spliss geschützt. Ein weiteres Argument für Henna ist der Preis: Henna ist unschlagbar billig. Für ein Kästchen Henna-Pulver (zu bekommen in türkischen und arabischen Supermärkten) zahlt ihr ungefähr 1,70 Euro. Für meine ziemlich langen Haare brauche ich zwei Päckchen. Mehr solltet ihr auch nicht verwenden, das Gewicht auf eurem Kopf wird sonst zu schwer.

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Immer ein Mix mit der eigenen Haarfarbe

Bei Bolu, Eurogida usw. findet ihr Henna gewöhnlich in drei verschiedenen Rottönen (Hellrot/Kupfer, Feuerrot und Mahagoni) sowie Schwarz und Blond. Doch echtes, naturbelassenes Henna ist von sich aus immer Rot. Um andere Töne zu erreichen, müssen die Hersteller Stoffe hinzusetzen. Schwarzes Henna enthält zum Beispiel mitunter p-Phenylendiamin (PPD), worauf viele Menschen allergisch reagieren.

Was die drei Rottöne betrifft: Auf eurem Kopf werden alle relativ ähnlich aussehen. Henna vermischt sich immer mit der Ausgangshaarfarbe, weshalb damit auch keine extremen Farbsprünge zu machen sind. Wer hellblond ist, wird mit jeder der drei Nuancen in tiefem Orange erstrahlen. Von Natur aus schwarze Haare hingegen erhalten immer nur einen roten Schimmer. Ich selbst bin eigentlich dunkelblond. Eingestiegen bin ich mit Mahagoni, um dann nach dem Wechsel zu Feuerrot schließlich bei Hellrot zu landen. Das Farbergebnis sieht so aus:

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Henna-Pigmente reflektieren intensiv das Licht

Vorsicht bei grauen Haaren!

Die Eigenschaft von Henna, sich an den Ausgangston anzupassen, hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil besteht darin, dass man nie so ganz danebenhauen kann, dass es einem nie überhaupt nicht steht. Schließlich ist die Veränderung nie so groß, wie gegebenenfalls bei chemischem Haarefärben. Doch letzteres kann auch von Nachteil sein, etwa wenn es darum geht, graue Haare abzudecken. Ergraute Partien werden in der Regel Karottenfarben. Bei einem geringen Grauanteil ist das kein Problem und ergibt sogar hübsche Akzente (ich spreche aus Erfahrung). Doch Irgendwann muss jeder Henna-Freund und jede Henna-Enthusiastin nach Alternativen suchen.

Außerdem: Einmal Henna – immer Henna! Diese Art der Färbung werdet ihr nur durch Rauswachsen los. Henna lässt sich nicht heller überfärben. Selbst mit einer starken Blondierung reagiert es in der Regel nicht. Die Haare werden nur ein bisschen struppig – und das war’s. Lediglich ein dunklerer Farbton könnte funktionieren.

Es gibt noch einen weiteren Punkt, über den ihr euch bewusst sein solltet: Henna enthält Gerbsäure. Die Gerbsäure bewirkt, dass sich die Schuppenschicht des Haares zusammenzieht und verursacht so den typischen Henna-Glanz. Es ist aber so, dass dieser Vorgang auch austrocknend wirken kann, deshalb ist bei geschädigtem Haare besondere Vorsicht angesagt. Wer strapaziertes Haar hat und es trotzdem mit Henna versuchen möchte, sollte etwas Olivenöl zur Farbmischung hinzugeben und hinterher ein besonders intensive Kur auftragen.

Diese Vorbehalte euch egal? Ihr wollt es trotzdem? Dann legen wir jetzt mit dem Färben los!

Und so geht’s

Wir brauchen: Henna-Farbe, eine Schüssel, eine Gabel zum Umrühren, Plastiktüten, Gummihandschuhe und Haarkur:

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Füllt das Pulver in die Schüssel und startet den Wasserkocher. Gebt außerdem Haarkur zum Pulver. Dabei bitte nicht geizen. Die Haarkur ist sozusagen das Bindemittel, welches dafür sorgt, dass ihr eine geschmeidige Paste erhaltet. Nehmt ungefähr vier Esslöffel davon.

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Keine Angst vor dem grünen Farbton. Es wird Rot – versprochen!

Wenn sich der Wasserkocher ausgeschaltet hat, gießt das Wasser hinzu: Erstmal wenig und rühren, dann immer mehr. Die Paste sollt nicht zu dickflüssig sein, sonst verteilt sie sich nicht gut. Zu dünn ist auch schlecht, dann trocknet sie auf eurem Kopf nicht an, sondern tropft. Orientiert euch an der Konsistenz von… sagen wir mal Zahnpasta.

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Übrigens: Ihr könnt Henna auch mit schwarzem Tee anrühren (das Farbergebnis wird dann dunkler), ein Ei und/oder Rotwein hinzugeben. Mit ein bisschen Rotwein wird der Farbton besonders intensiv, aber ich hatte den Eindruck, dass der Alkohol über die Kopfhaut in die Nervenbahnen dringt. Mir war danach zumindest ein bisschen so, als ob ich etwas davon getrunken hätte. Wen das nicht stört -Prost!

Raver-Girly oder Blogger-Knödel

Wenn die Farbpaste etwas abgekühlt ist, geht’s ins Bad. Wer Hilfe hat, setzt sich auf einen Stuhl. Nun kann die Person eures Vertrauens eure Haarpracht in mitteldicke Strähnen teilen, in jede ordentlich bis zum Ansatz Henna einkneten und anschließend zu einem kleinen Knötchen aufdrehen. Hinterher habt ihr dann eine Frisur wie ein Raver-Girly im Jahre 1994. Wer keine Hilfe hat, hängt sein Haupt über die Badewanne. Wichtig: Henna wird aufs trockene Haar aufgetragen, sonst kann der Farbstoff nicht gut einziehen.

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Übrigens: Gummihandschuhe sind natürlich Pflicht im Umgang mit der Farbe. Falls doch etwas auf eure Haut kommt (gilt auch für Gesicht und Ohren): Keine Panik! Die Spuren verschwinden nach ungefähr 24 Stunden. Auch Flecken auf Handtüchern lassen sich bei 60 Grad gut wieder auswaschen. Jetzt knetet ihr kopfüber die Farbe nach und nach in euren ganzen Schopf ein. Beginnt an den Ansätzen und arbeitet euch dann in die Längen vor. Letztere sind nur bei den ersten Färbesitzungen wichtig, später könnt ihr sie vernachlässigen.

Zum Schluss dreht ihr eure Haare auf dem Kopf zu einer Art Blogger-Dutt zusammen (sofern sie lang sind jedenfalls) und wickelt die vorher bereitgelegten Mülltüten um das Ganze. Dabei hilft es, die Tüten vorher einmal längs aufzuschneiden. Jetzt noch ein Handtuch obendrüber und dann seid ihr fertig. Ich verspreche euch: Ihr seht mit dem Gewurschtel auf eurem Haupt richtig „stylisch“ aus, deshalb habe ich mich damit auch nicht fotografiert 😉 Jetzt heißt es, Geduld haben…

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…und Wanne putzen!

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Euer Kopf hat nun ein ganz schönes Gewicht zu tragen. Ich lege mich am liebsten damit hin. Mit den Tüten und dem Handtuch über den Ohren hört ihr auch nicht viel. Am besten, ihr lest, schlaft oder seht (laut) fern. Und irgendwann ist es soweit – ihr dürft wieder ins Bad. Ich verspreche euch, ihr werdet aufatmen!

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Ihr müsst die Farbe nicht so lange drauf  lassen, wie ich es getan habe (wie die Uhrenbilder zeigen: über fünf Stunden). Auch bei etwa zwei Stunden erhaltet ihr einen schönen Effekt.

Ausspülen – endlich!

Hängt euren Kopf jetzt wieder über die Wanne oder geht komplett duschen. Spült erst mit klarem Wasser, dann wascht euch die Haare und verwendet auch ohne vorgeschädigte Haare eine Spülung oder Kur. Letzteres ist wirklich wichtig, sonst werdet ihr  beim Kämmen ernsthafte Probleme haben. Wenn ihr euch die Haare geföhnt habt, greift zur Bürste und begebt euch noch mal zur Wanne oder zum Waschbecken. Ich wette, wenn ihr euch jetzt die Haare glättet, kommen noch ziemlich viele kleine, trockene Henna-Krümel raus. Wenn ihr die ausgebürstet habt, seid ihr fertig. Vermutlich sogar fix und fertig – wie ich jedes Mal nach dieser doch recht aufwändigen Prozedur. Ich sage nur: Herzlichen Glückwunsch, ihr habt es geschafft!!!

Übrigens: Während ich diesen Beitrag schreibe lasten gefühlt zwei Kilo-Henna-Matsch auf meinem Kopf. Doch jetzt schreite ich zum Abspülen. Wie immer verfluche ich den Zeitaufwand und die ganze Schweinerei. Doch ich weiß: Das Ergebnis auf meinem Kopf werde ich lieben! Auch euch viel Spaß und Erfolg beim Haarefärben!

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Berichtet mir gern von euren Erfahrungen: Nutzt ihr Henna? Wollt ihr es ausprobieren? Und was war eure bisher größte Haar-Katastrophe?